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Latin Fusion aus Leipzig in der Global Music Corner

Ein Interview mit Jan vom Pögehaus anlässlich des Konzertes am 20.11.2018 über die Geschichte der Band und die Bandszene in Leipzig.

Ein Interview mit Jan vom Pögehaus anlässlich unseres Konzertes am 20.11.2018:

Zum Auftakt unserer Reihe <global music corner> freuen wir uns auf frische Latin-Fusion von Chipote Chingón aus Leipzig.

Traditionelle Rhythmen aus Lateinamerika wie Cumbia und Salsa vereinen sich mit Rock, Ska, Jazz, Reggae und Afro. Der Bandname reflektiert ebenso wie die internationale Zusammensetzung der Band die verschiedenen Kulturen und Lebensweisen, die sich in ihrer Musik treffen. Mit einer frischen Mischung der verschiedenen Musikstile reißen Chipote Chingón ihr Publikum mit. Auf dass die Tanzfläche bebt!

Besetzung: Mario Paredes ( Guitar / Lead Vocal), Felix Zehdnicker (Drums/Percussion), Ricardo Martinez (Percussion/Vocals), Thomas Campbell (Bass/Vocals) und Michael Glucharen (Trumpet/Keyboard)

< Interview mit Chipote Chingón >

Die sympathischen Chipotes haben uns nicht nur erzählt, was ihre musikalische Mission ist, wir haben auch einen kleinen Szene-Check zur lateinamerikanischen Musik in Leipzig gemacht. Jan traf sich mit Chipote Chingón zum Vorgespräch.

Chipote Chingón ist in Leipzig geboren, wie fing alles an?

Thomas: Ja, die Band haben wir hier in Leipzig gegründet. Vorher haben wir uns auf der Sachsenbrücke zu Jam Sessions getroffen. Das war eine Mischung von Treffen und Jammen und Leben in Leipzig. Wir haben dann das gemeinsame Interesse gehabt, lateinamerikanische Musik zu spielen und die lateinamerikanische Kultur aus unserer Heimat nach Deutschland zu transportieren. Aber diese Kultur lebt ja schon in Deutschland, in Leipzig, auf der Straße, im Park, in der Kneipe. Wir kommen aus verschiedenen Ländern. Chipote Chingón ist eine Mischung von dem, was es dort und hier schon alles gibt.

Heute machen wir Musik, bei der alle tanzen und zufrieden sind, einfach Spaß und einen guten Abend haben.

Woher kommt eigentlich der Name?

Ricardo: Der Name kommt von einer bekannten Zeichentrickserie, fast alle Latinos haben das gesehen, als sie klein waren. Den kennt da jeder. Und er klingt einfach sehr lateinamerikanisch. Das war die Idee, dass der Name so klingt wie die Musik.

Wir mischen das Traditionelle auch mit Afro, Jazz, Reggae und Ska. Aber in der Grundsache sind die Rhythmen aus Lateinamerika, wie wir…

Was macht euren Sound aus?

Ricardo: Wir nehmen alte, folkloristische Musik aus Südamerika, wie Cumbia und Chicha, und geben ihr einen modernen, alternativen Sound. Wir wollten auch auf jedem Fall von dem Klischee weg, das mit Lateinamerika verbunden ist. Wir machen kein Reggaeton oder andere Musik, die sexistisch und machistisch ist.

Thomas: Viele alte Texte, in denen es um Frauen und Männern geht, sind schwierig. Wir haben uns als Band klar gemacht, dass wir dann die Musik vom Text trennen. Natürlich machen wir Musik, die Spaß machen soll, zum Tanzen bis in die Nacht. Aber wir wollen Respekt untereinander. Und deshalb wollen wir auch keine Texte, die etwas anderes sagen. Also nehmen wir dann nur diese alten traditionellen Rhythmen ohne Texte.

Wie lange spielt ihr jetzt zusammen und wie habt ihr euch gefunden?

Ricardo: Die Band ist seit fünf Jahren zusammen. Wir haben uns an der Sachsenbrücke kennengelernt. Einmal hatte ich schon von weitem gehört, dass da auch Latinos sind, auch neu in der Stadt. Erst haben wir gequatscht und zum Spaß zusammen Musik gemacht. Nach ein zwei Jahren haben wir eine Band gegründet. Erst ohne Proberaum. Geprobt haben wir bei Felix zu Hause. Dann haben wir mit Konzerten Geld verdient und damit einen Proberaum gemietet. Damals hatten noch andere Leute mitgespielt, die heute nicht mehr dabei sind. Wir waren acht, jetzt sind wir zu fünft. Mario, Felix und ich waren von Anfang an dabei. Michael und Thomas sind seit zwei Jahren dabei. Das hat sich entwickelt.

Am Anfang haben wir gemerkt, dass die Leute auf diese Musik stehen. Die Leute meinten, das gibt es in Leipzig noch nicht.

Was gibt es gerade sonst noch an Latinbands hier?

Bis jetzt waren wir die einzigen. Es kommt gerade ein neues Projekt, sie fangen gerade erst an. Wir haben jedenfalls in vielen Locations gespielt, wo vorher noch nie eine Latinband gespielt hatte.

Wir schauen uns bei <global music corner> an, wie die Szene für Musikstile aus der ganzen Welt in Leipzig aufgestellt ist. Welche Bands gibt es? Welche Fankreise? Wer spielt mit wem, wo sind die Proberäume, was sind die Locations, in denen man sich ausprobieren kann? usw.. Wie sieht das für eure Musik gerade aus?

Mario: Wir haben in verschiedenen Ecken gespielt. Es gibt z.B. die Party-Reihe „La Patchanga“. Das war auch im Absturz, in der Alten Damenhandschuhfabrik, im Elipamanoke. So haben wir uns verbreitet. Dann haben wir auch an anderen Orten gespielt, im Werk2 oder sogar im Zentrum bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit. Wir spielen auch auf privaten Veranstaltungen und Hochzeiten.

Heute gibt es einen Ort, der unterstützt die Bewegung. Das ist ein kleines Café, Uptown Coffee Bar. Da kann man als Latino spielen und wird unterstützt. Wenn Chipote da spielt, kommen die Leute auch. Die Szene trifft sich da. Das ist unser Publikum, die meisten sind Latinos, aber auch Leute von hier. Sie kommen nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen unserer Art und Weise, wie wir uns bewegen, weil wir auf der Bühne sehr lustig und fröhlich sind. Die Leute mögen das.

Thomas: Die Kulturapotheke fängt jetzt auch an, lateinamerikanische Musik zu unterstützen. Einmal im Monat gibt es die „Sesiones del Sur“. Aber das ist eher ein anderer Stil. Als Chipote spielen wir Musik mehr für Partys und Tanz.

Ricardo: Im Sommer trifft man sich immer an der Sachsenbrücke. Da ist immer ein Latino mit Instrument und der Start um Musik zu machen.

Mario: Es gibt in Leipzig auch Bands die Salsa machen und eine Salsa Szene. Dann diese traditionelle Musik aus Mexiko. Da treffen sich zwei dreimal pro Jahr Leute aus Berlin und Mexiko. Dann auch eine Band, die Tanzmusik mehr in Richtung Pop macht.

Thomas: Und brasilianische Musik, Samba. Und eine brasilianische Perkussionsschule. Wenn man sucht, findet man Vieles. Manchmal gibt es auch Austausch mit Leuten aus Berlin. Man trifft sich auch mit Leuten aus Barcelona, die wir auch kennen. Die machen Musik mit uns.

Ihr lebt alle in Leipzig. Was macht ihr, wenn ihr gerade nicht Musik macht?

Mario: Ich bin Sänger und Gitarrist. Ich habe noch ein Latinpop-Projekt parallel. Und arbeite in einem Café.

Ricardo: Unser Ziel ist, nur von Musik zu leben. Wir werden immer diese Hoffnung festhalten. Ich will das versuchen. Allein mit Chipote geht das nicht. Nicht mit nur einem Projekt, das ist klar. Wir wollen Chipote entwickeln. Eine CD machen, Konzerte und eine Tour, eine Website. Es ist nicht leicht, aber nur davon leben ist das Ziel.

Michael: Ich sehe das auch so. Ich mache viel Musik, spiele noch in paar anderen Bands. Ich unterrichte Klavier die meiste Zeit. Das macht schon Spaß, aber eigentlich ist die eigene Musik am wichtigsten. Für die Zukunft setz ich auf Chipote, da alles rauszuholen.

Thomas: Ich studiere. Da ist es komisch, über Ziele zu reden. Musik ist schön, du kannst Leute bewegen. Das Studium ist auch schön. Ich suche da die Balance.

Was ist der nächste Schritt?

Mario: Für unsere Platte haben wir angefangen, eigene Musik zu komponieren. In einem Jahr soll die CD fertig sein. Wir hatten eine Demoplatte, aber die haben wir nicht öffentlich gemacht. Das ist sozusagen ein Teil unserer Geschichte, die wir verbessern wollen. Vielleicht retten wir ein paar alte Lieder. Aber jetzt ist der Moment, wo wir eigene Kompositionen wollen, unsere eigene Musik. Mehr Konzerte, mehr Konzentration, das braucht man. Dann hoffentlich eine Produktion und dann Boom!

Ist es leicht eine Platte in Leipzig zu machen? Wie sind hier die Gegebenheiten?

Ricardo: Das fehlt vielleicht ein bisschen in Leipzig, Leute die dich unterstützen. Ein Label.

Michael: Es muss nicht unbedingt in Leipzig sein.

Mario: Hier gibt es mehr für Rock oder Punk oder klassische Musik. Aber für uns… da gibt es keinen, der sich traut. Es gibt kleine Labels. Aber es gibt nicht so etwas wie: ich geb euch 10.000 Euro und Caramba.

Thomas: Ich habe das Gefühl, viele machen es komplett selbst. Kaufen Mikrofone, studieren die Technik, machen den Internetauftritt, produzieren, verkaufen. Aber wenn du fünf Musiker hast, die alles selbst organisieren müssen, wie viel Platz ist dann für Musik, zum Komponieren, Ruhe zu haben. Für mich ist es interessant, alles selbst zu lernen. Man ist sehr aktiv, in einem Moment machst du das, im anderen musst die eine Mail beantworten. Manchmal musst du kämpfen, einfach machen…

Mario: Wir kennen einen Produzenten, der hat uns schon unterstützt, parallel zu seinen Sachen. Er ist kein Latino, aber er hat ein Gefühl dafür, was wir brauchen. Mit solchen Leuten lernen wir. Vielleicht werden sich solche Leute in Zukunft spezialisieren mit ihren Produktionen. Aber es gibt keinen, der das Genre kennt und unterstützen will.

Michael : Chipote reift auch noch aus. In Leipzig kann das gut ausreifen, anstatt dass man irgendwo unfertig hinkommt und dann von jemand abhängig ist. Der da Kohle reinschießt und es sich in einer Richtung entwickelt, die man gar nicht will.

Wir haben auch schon viel gecovert. Titel ausprobiert, wissen wir das wirkt beim Publikum. Von da aus können wir uns die Frage stellen, was wollen wir Eigenes machen, was wollen wir damit erreichen. Wie wollen wir unser Repertoire verbessern. Dadurch entsteht dann was viel Fertigeres, was dann funktioniert.

Was war der prickelndste Moment mit Chipote bisher auf der Bühne?

Mario: Am 3. 0ktober 2016 haben wir zum Tag der Deutschen Einheit im Zentrum gespielt. Das heißt ja schön viel Publikum, eher gemischt, eine große Party. Aber das Wetter war scheiße, grau und verregnet. Wir haben gedacht, da kommt keiner. Und bei dem Konzert vor uns war auch fast keiner. Dann kam Chipote und die Leipziger haben getanzt und es war voll geworden. Wir waren total happy.

Es war auch etwas Besonderes, dass wir Latinos was für die Leipziger machen. Die haben die Musik aus Lateinamerika kennen gelernt. Ein bisschen modernere Riffs und Grooves. Nicht nur Buena Vista Social Club.

Das Interesse an dieser Kultur ist ja sicher auch durch die Filmfestivals zu Lateinamerika, Argentien, Brasilien geweckt. Das ist schon so ein Fenster auf.

Ricardo: Ja, es gibt schon was. Es finden auch zwei drei Latin-Parties jedes Wochenende statt. Es gibt auch Deutsche die Spanisch lernen wollen, die Tandems machen. Ihre Partner bringen sie dann zum Konzert mit.

Die Latinos bringen immer ihre Kultur mit. Ich habe auch in Spanien gelebt, in verschiedenen Städten. Die Latinos bringen immer was mit.

Thomas: Wenn man ankommt, muss man alles lernen. Aber es ist auch schön, wenn es Platz dafür gibt, dass die Leute was von einem lernen, wenn man von draußen kommt.

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